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Archive für 9.11.2010

Bulgarien: Die Wirtschafts Monopole der Balkan Mafia

“Über 650.000 Verbrechen bleiben ungeklärt”

Reinhard Jellen 08.11.2010

Interview mit Jürgen Roth zur gesellschaftlichen Situation in Bulgarien

Die Veröffentlichung eines Buches von [extern] Jürgen Roth über die Verstrickungen von kriminellen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen in Bulgarien hat in dem Land eine Staatsaffäre ausgelöst, woraufhin der Publizist verklagt und bedroht wurde. Nun reist er nach Bulgarien und wird dort den amtierenden Premierminister unbequeme Fragen stellen. Ein Gespräch mit dem Autor über den vielleicht zu langen Weg eines ehemaligen Ostblock-Staates in die Zivilgesellschaft.

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Herr Roth, die Veröffentlichung ihres Buches [local] “Die neuen bulgarischen Dämonen” hat in Bulgarien zu einer Verleumdungsklage von Seiten des ehemaligen Innenministers Rumen Petkov geführt. Worum dreht sich denn ihr Buch und was hat man ihnen vorgeworfen?

Jürgen Roth: Das Buch handelt im wesentlichen davon, wie während der Transformation des totalitären Ostblocks Bulgarien zu dem durch [extern] organisierte Kriminalität am stärksten angegriffenen Staat wurde. Es ist bekannt, dass Bulgarien damals offiziell bankrott war, aber gleichzeitig Volksvermögen in Höhe von zirka neun Milliarden US-Dollar von der Nomenklatura und dem Geheimdienst in das europäische Ausland verschoben wurde. Ich habe im Hinblick auf den EU-Beitritt Bulgariens vor allem nach den Verbindungen der politischen mit den kriminellen Strukturen von damals bis in die Gegenwart recherchiert.

Dabei bin ich konkret auch den Aktivitäten der bulgarischen [extern] TIM-Gruppe nachgegangen. Dies ist die mächtigste wirtschaftliche Gruppe Bulgariens, die nach Behauptungen vieler bulgarischer Quellen und Medien als Schutzgelderpresserorganisation in der Küstenstadt Varna begonnen hat, dann ein Sicherheitsunternehmen gründete, danach ein Versicherungsunternehmen, eine Bank und schließlich Partner der [extern] Fraport AG wurde. - Also die ganz normale Entwicklung, wie wir sie aus allen Ländern der ehemaligen UdSSR bzw. dem ehemaligen Ostblock kennen.

Fragwürdige Methoden

Die Fraport AG ging ein Joint-Venture mit einem Tochterunternehmen der TIM-Gruppe ein, um die Flughäfen Varna und Burgas zu betreiben. Dabei soll es bei der Ausschreibung zu fragwürdigen Methoden gekommen sein. Und das vor dem Hintergrund, dass die Fraport AG im wesentlichen ein öffentliches Unternehmen ist, an dem sowohl das Land Hessen wie die Stadt Frankfurt beteiligt sind. Kooperationen zwischen einem quasi Bundesunternehmen mit einer Gruppe, die verdächtigt wird hochgradig organisierte Kriminalität zu sein - das hat schon einen etwas faden Beigeschmack. Im Zusammenhang damit habe ich auch mit Ivo Kamenov, dem Vorsitzenden von TIM gesprochen, der alle Vorwürfe, dass die TIM hochgradig organisierte Kriminalität sei, von sich wies. Diese Vorgänge schildere ich ja ausführlich in meine Buch “Gangsterwirtschaft - wie uns die organisierte Kriminalität aufkauft”.

Rumen Petkov

Bei der weiteren Recherche in Bezug auf die Verbindungen von mafiösen Strukturen mit hohen politischen Entscheidungsträgern in Bulgarien bin ich auch auf den damaligen Innenminister Rumen Petkov gestoßen. Diesem wurde von verschiedenen meiner Quellen vorgeworfen, mit Mafiabossen zusammenzuarbeiten. Außerdem soll er über den bulgarischen Amphetamin-Handel, der seinerzeit sehr bedeutsam war, seine schützende Hand halten. Das hatte mir sogar eine westliche Botschaft berichtet und ein ehemals hochrangiger Beamter aus dem Innenministerium. Als diese Erkenntnisse von mir publiziert wurden herrschte in Bulgarien große Aufregung und Petkov musste unter anderem wegen dieser Vorwürfe zurücktreten. Klar, dass er wütend auf mich war und ist. Also wurde ich von ihm wegen [extern] Verleumdung verklagt.

 

Ist es wahr, dass Sie von Petkov auch bedroht worden sind?

…….

Telepolis

URL: http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/deutsche-unternehmen-in-bulgarien-survival-in-der-schattenwirtschaft-300446/ szmtag

EU Deutsche Unternehmen in Bulgarien: Survival in der Schattenwirtschaft Korruption und frisierte Ausschreibungen sind in Bulgarien auch noch 18 Monate nach dem EU-Beitritt an der Tagesordnung. Manche Unternehmen ergreifen die Flucht, andere arrangieren sich erstaunlich gut.

Bulgariens Premierminister Bild vergrößern Bulgariens Premierminister Sergei Stanishev (rechts) und Außenminister Ivailo Kalfin zeigen auf Bulgarien auf einer Europakarte während einer Willkommens-Zeremonie zum EU-Beitritt von Bulgarien und Rumänien. dpa

Die Begründung für den Rausschmiss war originell. Weil dem Angebot des Hafen-Spezialisten Hamburg Port Consulting (HPC) ein polizeiliches Führungszeugnis in bulgarischer Sprache fehlte, schloss ein Ausschreibungskomitee des bulgarischen Transportministeriums ihn im Frühjahr aus dem Wettbewerb um den Hafen von Lom aus.

Ein bürokratischer Winkelzug, der das seit 1999 gehegte Vorhaben der Hamburger zerplatzen ließ – so zumindest erzählt man es sich in deutschen Unternehmenskreisen in Sofia in Bulgarien. HPC wollte mit einem bulgarischen Partner den  zweitgrößten Donauhafen Bulgariens im Nordwesten des Landes übernehmen.

HPC will sich zu dem kuriosen K.O. nicht äußern. Doch was folgte, sagt genug: Favorit in dem Bieterwettstreit um den verkehrsstrategisch ideal gelegenen Hafen wurde der bestens verdrahtete Tycoon Wassil Boschkow, Eigner des bulgarischen Mischkonzerns Nove Holding.

Früher gehörte ihm der Fußballklub CSKA Sofia, in der Rangliste der reichsten Bulgaren belegt Boschkow Platz zwei. Dass er ganze 18 Millionen Euro weniger bot als das HPC-Konsortium, störte das Ausschreibungskomitee nicht. Dass mit den Hamburgern der einzige Bieter mit Hafen-Expertise ausschied, ebenso wenig.

Profit und niedrige Flat Tax locken in Bulgarien

Deutsche Unternehmen wissen: Wer in Bulgarien Geschäfte macht, muss mit frisierten Verfahren, Schmiergeldforderungen und mächtigen Konkurrenten mit guten Kontakten rechnen.

Die bulgarische Regierung sei ja durchaus wirtschaftsfreundlich, lobt ein deutscher Manager in Sofia „aber zu einigen leider mehr als zu anderen“. Nach Ansicht von Alexander Boschkow, dem früheren bulgarischen Industrieminister und heutigen Leiter des Thinktanks Zentrum für wirtschaftliche Entwicklung in Sofia , untergräbt der Mangel an Rechtssicherheit in seinem Land die Fundamente der Ökonomie: „Es gibt hier einfach keine funktionierende Marktwirtschaft.“

Das macht den ausländischen Unternehmen offensichtlich nicht viel aus. Die bulgarische Wirtschaft boomt.

Löhne, die zu den niedrigsten in Europa gehören, der europaweit niedrigste ein Einheitssteuersatz von zehn Prozent und der profitträchtige, rasch wachsende bulgarische Markt verdrängen die Zweifel mit Leichtigkeit.

Jahr für Jahr tragen ausländische Unternehmen mit vollen Händen ihr Geld ins Land. 2006, im Jahr vor Bulgariens EU-Beitritt, verdoppelten sich die ausländischen Direktinvestitionen auf sechs Milliarden Euro, 2007 flossen 6,1 Milliarden Euro nach Bulgarien.

Kopfschüsse aus dem Hinterhalt

Wer sich Ärger ersparen will, muss aufpassen wie ein Luchs: „Gibt es in einem Grundbuch nur die geringste Unklarheit, lassen wir die Finger von dem Grundstück“, sagt Henrie Koetter, Chef des Hamburger Immobilienentwicklers ECE in Bulgarien, der dort  Einkaufszentren und Büroparks errichtet. Um schwarze Schafe fernzuhalten, hat Koetter ein rigoroses Test- und Auswahlverfahren für lokale Mitarbeiter eingeführt. Jeder wird durchleuchtet. Hat ein Bewerber irgendwann einmal für die falsche Firma gearbeitet, ist er chancenlos.

Die größte Gefahr lauert in den Amtsstuben. Ausländischen Managern gegenüber verhalten sich korrupte Beamte gewöhnlich zwar vorsichtiger als im Umgang mit Bulgaren. Doch auch in der internationalen Szene gebe es „Aufträge, die nur durch Gefälligkeiten zu bekommen sind“, sagt der Deutsche Nico-Alexander Jahn, Manager bei der französischen Werbeagentur Publicis in Sofia.

Kritisiere man das, stoße man übrigens gerade als Deutscher häufig auf Unverständnis. „In solchen Diskussionen bekommen wir jetzt oft den Korruptionsskandal bei Siemens vorgehalten.“

Siemens-Mauscheleien kamen in Bulgarien nicht ans Licht. Bisher gehören die deutschen Unternehmen offenbar eher zu den Leidtragenden der Schattenwirtschaft. Wenn Stefan Gamisow, ein bulgarischer Berater von Energieversorgern, mit seinen Prognosen Recht behält, könnte demnächst auch der deutsche RWE-Konzern unangenehme Bekanntschaft machen.

Nach Gamisows  Worten versucht die „bulgarische Energiemafia“, unterstützt von russischen Finanziers, sich in den Bau des Kernkraftwerks Belene einzuschalten. Dort könnte sie auf RWE treffen, das sich an dem Betreiberkonsortium für Belene beteiligen will.

Energiemanager in Bulgarien leben gefährlich. Anfang April streckte ein Attentäter den Chef des Kernkraftwerk-Wartungsunternehmens Atomenergoremont, Borislaw Georgiew, mit zwei Kopfschüssen vor seiner Wohnung nieder.

Aber schon weit Harmloseres reicht aus, um deutschen Unternehmen aus Bulgarien zu vergraulen. Der Düsseldorfer Henkel-Konzern, sagt ein bulgarischer Kenner der ausländischen Unternehmensszene, habe so üble Erfahrungen gemacht, dass er mit einem ehrgeizigen Nahrungsmittel-Projekt ins benachbarte Rumänien floh: „Sie hatten genug von den Schmiergeldforderungen ihrer Zulieferindustrie“, sagt der Experte.

Henkel betrieb in der Stadt Dobritsch im Nordosten Bulgariens eine Mühle für Sonnenblumenöl. Den bulgarischen Agrarhandel kontrollieren wenige große Unternehmen, die Preise liegen in ihren Händen. Innerhalb weniger Monate verdreifachte sich der Preis für Sonnenblumenkerne. Straf-Auflagen der bulgarischen Wettbewerbsbehörde beeindruckten das Kartell nur wenig.

Zu den Großen im bulgarischen Agrarhandel gehört die in Warna ansässige TIM-Gruppe. TIM steht für die Vornamen ihrer drei Gründer Tihomir Mitew, Ivo Kamenow und Marin Mitew, allesamt ehemalige Karate-Athleten und Mitglieder einer Spezialeinheit der bulgarischen Marine.

Sie gelten als Sieger eines teils gewalttätigen Machtkampfs mit anderen Klans namens SIC und VIS 2. Wenn Mitew, Kamenow und Mitew ein Unternehmen haben wollen, bekommen es sie es auch. Eine ihrer Methoden: Sie kaufen bei Banken die Schulden des konkurrierenden Bieters und stören seine Geschäfte.

…………………

Flughafenbetreiber Fraport mit dubiosem Partner

Dass Fraports Konsortialpartner in diesem Geschäft, das bulgarische Unternehmen BM Star, nichts anderes als ein Platzhalter der TIM-Gruppe war, daran zweifelten nur wenige in der bulgarischen Wirtschaft. Im März wurde die TIM-Connection offiziell. Chimimport übernahm BM Star.

„Ohne den Einfluss von TIM hätte Fraport die Konzession für Warna und Burgas nie gekriegt“, sagt ein Kenner der deutschen Unternehmensszene in Bulgarien. Auch die Zahlen in örtlichen Presseberichten werfen einen Schatten auf den Flughafen-Deal.

Demnach war das Angebot von Copenhagen Airports attraktiver als das der Deutschen: Die Dänen wollten 100 Millionen Euro mehr in die Airports investieren und wesentlich mehr von den Flughafengebühren an den bulgarischen Staat abführen als Fraport & Co.

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Kommentar: Ähnlich ist es in allen Balkan Ländern. Das im Gefolge des Bodo Hombach - Klaus Mangold, Bestechungs Firmen wie RWE, Fraport, oder gar Henkel auftauchen, kann nicht verwundern.Wollen wir die Autofirmen auch noch benennen: Mercedes, VW, Audi und Porsche, welche Partner der prominenten Balkan Mafia sind und gerne bei der Geldwäsche helfen. Unser Beitrag in 2008, über den gefeuerten Innenminister Rumen Petkov

Bulgarian spy services intercept PM assassination plot

A conspiracy to assassinate the Prime Minister of Bulgaria has been intercepted in its planning stage by the country’s intelligence services, according to information published yesterday in the Bulgarian press. The Sofia-based 24 Chasa daily alleges that Bulgarian intelligence agents were able to intercept telephone conversations leading to a meeting of conspirators, which took place four months ago. The meeting, held at the luxury King George Palace Hotel in downtown Athens, Greece, was reportedly attended by several Bulgarian “participants [who] came onboard yachts, accompanied by numerous bodyguards”. The meeting centered on plans to fund an operation to “eliminate” Bulgarian Prime Minister, Boyko Borisov, of Bulgaria’s conservative GERB party, who has led the country since the summer of 2009.

According to 24 Chasa, participants at the meeting pledged the sum of €400,000 to fund the assassination of the Prime Minister of Bulgaria, a country that has been a member of the European Union since 2007. If the paper’s allegations are true, this would be the third known plot to assassinate Borisov, who was Bulgaria’s Interior Secretary and the Mayor of Sofia before assuming Prime-Ministerial duties in 2009. Earlier this month, Borisov revealed during a television interview that Bulgarian intelligence had intercepted a 2005 telephone conversation between individuals in Amsterdam, Holland, and Milan, Italy, discussing plans to assassinate him. Bulgaria’s Ministry of the Interior, which is responsible for political security, and the country’s National Intelligence Service (NRS), have refused to comment on 24 Chasa’s allegations, though a press statement said security measures to protect the Prime Minister had been tightened.http://greeknation.blogspot.com/2010/11/bulgarian-spy-services-intercept-pm.html

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