Infos

Sie befinden sich aktuell in den Balkanforum Balkanblog.org Blog-Archiven für den folgenden Tag 15.7.2010.

Juli 2010
M D M D F S S
« Jun   Aug »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  
Links

Archive für 15.7.2010

Noam Chomsky über das paranoide Israel

The Weekly: Zunächst bitte ich Sie um eine Stellungnahme zu dem Angriff Israels auf die Freiheits-Flottille, die sich in internationalen Gewässern auf dem Weg nach Gaza befand.

Noam chomsky
„Israel entwickelt sich zu einem extrem paranoiden Land, das von einer ultra-nationalistischen Haltung eingenommen wird, und handelt von seinem Standpunkt aus auf eine sehr irrationale Weise. Es schadet seinen eigenen Interessen. Die Verweigerung meiner Einreise war nur ein kleines Beispiel dafür. Hätten sie mich für meinen Vortrag an der Universität Birzeit einfach einreisen lassen, dann wäre dies das Ende der Geschichte gewesen. Tatsächlich sprach ich aber gar nicht über den Nahen Osten. Ich sprach über die Vereinigten Staaten und das wussten sie natürlich.“ Noam Chomsky

Noam Chomsky: Die Entführung von Schiffen in internationalen Gewässern und die Tötung von Passagieren ist natürlich ein schwerwiegendes Verbrechen. Die Redakteure des Londoner Guardian haben völlig recht zu sagen: „Wenn eine bewaffnete Gruppe somalischer Piraten gestern sechs Schiffe auf hoher See geentert und dabei mindestens 10 Passagiere getötet und viele weitere verletzt hätte, dann wäre heute eine NATO-Einsatztruppe auf dem Weg an die somalische Küste.“

Man sollte bedenken, dass dieses Verbrechen nichts Neues ist. Seit Jahrzehnten entert Israel Schiffe in internationalen Gewässern zwischen Zypern und Libanon und tötet oder entführt dabei Passagiere, manchmal werden diese in israelische Gefängnisse gesteckt, einschließlich geheime Gefängnisse und Folterkammern, manchmal werden sie für viele Jahre als Geiseln gehalten. Israel geht davon aus, dass es solche Verbrechen ungestraft begehen kann, weil sie von den USA toleriert werden und Europa sich im Allgemeinen nach den USA richtet.

Ähnliches gilt für Israels Vorwand für sein jüngstes Verbrechen: dass die Freiheits-Flottille Materialien mitführte, die für den Bau von Bunkern oder Raketen benutzt werden könnten. Dies ist absurd und wenn Israel daran interessiert wäre, Raketenangriffe von Hamas zu stoppen, weiß es genau, was zu tun wäre: das Angebot der Hamas für eine Waffenruhe anzunehmen. Im Juni 2008 schlossen Israel und Hamas eine Waffenstillstandsvereinbarung ab. Die israelische Regierung hat offiziell bestätigt, dass Hamas bis zum 4. November, als Israel durch sein Eindringen nach Gaza und die Tötung von sechs Hamas-Aktivisten die Vereinbarung verletzte, keine einzige Rakete abgeschossen hatte.

Hamas bot an, die Waffenruhe zu verlängern. Das israelische Kabinett beriet über das Angebot und wies es zurück, stattdessen startete es am 27. Dezember seine mörderische und zerstörerische Operation „Gegossenes Blei“. Offensichtlich gibt es keine Rechtfertigung für den Einsatz von Gewalt „zur Selbstverteidigung“, es sei denn, alle friedlichen Mittel sind erschöpft worden. In diesem Fall hat man sie nicht einmal ausprobiert, obwohl – oder vielleicht weil – es allen Grund zu der Annahme gab, dass sie Erfolg haben würden. Die Operation „Gegossenes Blei“ ist daher reine kriminelle Aggression, ohne glaubhaften Vorwand, und dasselbe trifft auf Israels aktuelle Gewaltanwendung zu.

Für die Blockade Gazas selbst gibt es überhaupt keinen glaubwürdigen Vorwand. Sie wurde von den USA und Israel im Januar 2006 verhängt, um Palästinenser zu bestrafen, weil sie in einer freien Wahl „für die falsche Partei“ gestimmt hatten, und sie wurde im Juli 2007 stark verschärft als die Hamas einen Versuch seitens der USA und Israels, die gewählte Regierung durch einen militärischen Staatsstreich zu stürzen und Fatah-Diktator Mohammed Dahlan einzusetzen, blockierte. Die Blockade ist brutal und grausam; sie zielt darauf ab, die eingesperrten Tiere gerade noch am Leben zu erhalten, um internationale Proteste abzuwehren, aber kaum mehr als das. Es ist nur die jüngste Phase der langfristigen, von den USA unterstützten Pläne der Israelis, Gaza von der Westbank zu trennen.

Dies ist nur der knappe Umriss einer sehr hässlichen Politik.

The Weekly: Man hat Ihnen kürzlich auch die Einreise nach Israel verweigert. Wie sehen Sie die Situation in den besetzten Gebieten und Gaza?

Noam Chomsky: Also, das stimmt nicht ganz: Man hat mir die Einreise in die besetzten Gebiete verweigert und nicht nach Israel. Wenn ich nur nach Israel gereist wäre, hätten sie mich freilich einreisen lassen, und dann hätte ich in die besetzten Gebiete gehen können. Als Grund gaben sie an, dass ich nur zur Universität Birzeit gehen wollte und nicht zu einer israelischen Universität.

Israel entwickelt sich zu einem extrem paranoiden Land, das von einer ultra-nationalistischen Haltung eingenommen wird, und handelt von seinem Standpunkt aus auf eine sehr irrationale Weise. Es schadet seinen eigenen Interessen. Die Verweigerung meiner Einreise war nur ein kleines Beispiel davon. Hätten sie mich für meinen Vortrag an der Universität Birzeit einfach einreisen lassen, dann wäre dies das Ende der Geschichte gewesen. Tatsächlich sprach ich aber gar nicht über den Nahen Osten. Ich sprach über die Vereinigten Staaten und das wussten sie natürlich.

Bei Gaza handelt es sich einfach um grausame Folter. Sie halten die Bevölkerung gerade noch am Leben, weil sie nicht des Völkermordes bezichtigt werden wollen, aber mehr nicht. Es ist auf das Überleben beschränkt. Es ist nicht die schlimmste Grausamkeit in der Welt, aber eine der brutalsten. Ägypten kooperiert uneingeschränkt durch den Bau einer Mauer und seine Weigerung, Beton und ähnliche Dinge hineinzulassen; es ist also eine ägyptisch-israelische Operation, welche die Menschen in Gaza buchstäblich auf eine Art und Weise foltert, die meines Wissens noch nie dagewesen ist, und es wird immer schlimmer.

In der Westbank handelt Israel nicht allein: die Vereinigten Staaten und Israel handeln gemeinsam. Die USA legen den Handlungsspielraum fest und arbeiten mit Israel zusammen. Es ist eine Gemeinschaftsunternehmung, genauso wie der Angriff auf Gaza. Aber Israel lässt von seinem Würgegriff nicht ab und nimmt sich was es will. Es nimmt sich das Land innerhalb der Trennungsmauer, die in Wirklichkeit eine Annektierungsmauer ist. Es nimmt sich das Jordantal und es nimmt sich das Gebiet, das Jerusalem genannt wird und viel größer ist, als es Jerusalem jemals war, denn es ist ein riesiges, sich in die Westbank ausdehnendes Gebiet.

Und dann hat es diese gegen Osten gehenden Korridore; es gibt da also einen Korridor, der von Jerusalem durch Maal Adumim in Richtung Jericho geht. Sollte er jemals voll besiedelt werden, wird er die Westbank in zwei Teile zerschneiden. Interessanterweise haben die USA die israelischen Bemühungen, diesen Korridor voll zu besiedeln, bisher blockiert.

Vor etwa zehn Jahren rieten israelische Industrielle der Regierung, sie solle sich in der Westbank vom „Kolonialismus“ zum „Neo-Kolonialismus“ bewegen. Das heißt, sie soll in der Westbank neokoloniale Strukturen errichten. Nun wissen wir, welche das sind. Man nehme eine beliebige ehemalige Kolonie. Typischerweise gibt es dort eine extrem reiche und privilegierte Schicht, die mit der ehemaligen Kolonialmacht zusammenarbeitet und die von einer Masse des Elends und Horrors umgeben ist.

http://www.hintergrund.de

Und die Verrückten, kriminellen Banden, mit ihrem Aufbau in Afghanistan!

Das Saatgut sichern vor den Heuschrecken

Rasaq Qadirie will für die Afghanen retten, was die westlichen Besatzer noch nicht vernichtet haben 

Am 14. Juli 2010 referierte Rasaq Qadirie im Hamburg-Eimsbütteler Magda-Thürey-Zentrum (MTZ) zu Lüge und Wahrheit über Wiederaufbau und Landwirtschaft in Afghanistan. Bei reichlicher Hitze erklärte er den ca. 40 Zuhörern, warum er in seiner Heimat Frucht- und Gemüsesamen sammelt, vermehrt und speichert:

Die Besatzer sind dabei, den Bauern nicht-vermehrbares, sogenanntes Hybrid-Saatgut aufzuschwatzen. Das Zeug laugt die Böden aus, zwingt zum Nachkauf von Hybridsamen, zum Kauf von Herbiziden und Dünger, vernichtet über kurz oder lang das bäuerliche Know How  – und die über Jahrhunderte bewährten heimischen Pflanzenarten verschwinden für immer.

Rasaq Qadirie                                                                                                       Foto: tofoto

Qadirie illustrierte seinen Vortrag mit Bildern, wie sie auf der Internetseite http://www.theafghanseeds.org/de/index.html zu sehen sind. Bilder anklicken, darunter stehen Erläuterungen.

Ein deutscher Freund ergänzte den Vortrag durch eine knappe Schilderung dessen, was auf den Straßen von Kabul zu sehen ist: Krüppel betteln um Eßbares bei Menschen, die selber Hunger leiden. An ihnen fegen weiße, frisch gewaschene Limousinen vorbei, auf dem Weg von einem stacheldrahtumzäunten Areal zum anderen, im Fond die Kompradoren.

Ein Wiederaufbau, von dem deutsche Kriegstreiber in fast allen Parteien schwadronieren, finde in Afghanistan nicht statt, schon gar nicht durch Soldaten. Qadirie versucht an Saatgut zu retten, was noch zu retten ist. Jüngst hat er ein kleines Anbaufeld erworben, auf dem inzwischen heimische Kürbisarten und Wassermelonen gedeihen und Obstbäume heranwachsen.

Veranstaltet wurde der Vortrag von der ag medien.hamburg/rote reporter/-innen bei und in DIE LINKE. Das schöne Ankündigungsplakat,  pdf-Datei, zeigt einen Bauern, den  Qadirie um Saatkörner gebeten hatte. Als der Bauer erfuhr, worum es geht, hat er geantwortet, Qadirie könne das ganze Feld haben.

Wer kein Feld, aber Geld hat, wende sich an

rasaq (at) theafghanseeds.org

T:I:S, 15. Juli 2010

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/mohn.htm#Saatgut

 

Lassen wir die grauenhafte Sprache einmal beiseite und fragen uns: Worin besteht die Bedrohung durch den Iran eigentlich? Eine maßgebliche Antwort liefert eine Studie des ‘International Institute of Strategic Studies’ vom April 2010. Sie trägt den Titel: ”Military Balance 2010′. Zweifellos stellt das brutale klerikale Regime des Iran eine Gefahr für seine eigene Bevölkerung dar. Allerdings rangiert es in dieser Hinsicht nicht sonderlich weit oben auf der Skala, verglichen mit anderen (Regimen) in der Region, die Verbündete der USA sind. Doch darum geht es dem oben erwähnten Institut nicht. Vielmehr macht es sich Sorgen, ob der Iran der Region und der Welt gefährlich werden könnte.

Die Studie stellt klar, dass vom Iran keine militärische Gefahr ausgeht. Die iranischen Militärausgaben seien “relativ niedrig - im Vergleich zu denen der restlichen Region” - und betragen nur 2 Prozent dessen, was Amerika in dieser Hinsicht ausgibt. Die iranische Militärdoktrin sei strikt “defensiv…. darauf abzielend, eine Invasion abzubremsen und bei Hostilitäten diplomatische Lösungen durchzusetzen”. Der Iran sei “nur eingeschränkt fähig, jenseits seiner Grenzen Gewalt einzusetzen”. Was die nuklearen Möglichkeiten des Iran angeht, heißt es in der oben erwähnten Studie: “Das iranische Atomprogramm und der Wille (des Iran), sich die Möglichkeit offen zu halten, Atomwaffen zu entwickeln, sind ein zentraler Bestandteil seiner Abschreckungsstrategie”……………………….

http://www.zmag.de/artikel/die-iranische-gefahr

 

|