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Archive für 4.3.2010

Organhandel in Israel und Antisemitismus-Beschuldigungen in Schweden

Dossier

Organhandel in Israel und Antisemitismus-Beschuldigungen in Schweden

1. Jan Guillou: Israel hat gestanden – nun schweigen die liberalen Dumpfbacken. Aftonbladet, 17. Januar 2010. Übersetzung aus dem Schwedischen

2. Ian Black: Arzt gibt zu, dass israelische Pathologen Organe ohne Einwilligung entnommen haben. The Guardian, 21. Dezember 2009. Aus dem Englischen

3. Israelischer Protest gegen einen Feuilletonartikel. Aftonbladet / TT, 18./19. August 2009. Übersetzung aus dem Schwedischen

4. Donald Boström: “Unsere Söhne werden ihrer Organe beraubt”. Aftonbladet, 17. August 2009. Übersetzung aus dem Schwedischen

*

Jan Guillou*

Israel hat gestanden – nun schweigen die liberalen Dumpfbacken

Es ist also wahr, dass es einen umfassenden und systematischen illegalen Handel mit den Organen erschossener Palästinenser in Israel gab. Die Enthüllung erfolgte im israelischen Fernsehen im Dezember und erregte großes Aufsehen auf der ganzen Welt. Sie war nicht nur die Spitzenmeldung bei CNN und anderen Fernsehanstalten, sondern auch in Europa. Eine Weltnachricht also.

Aber nicht in Schweden (auch nicht in Deutschland, Anm. d. Übers.). Hier waren es nur die Leser des Aftonbladet, die von diesem sensationellen israelischen Geständnis erfuhren. Eine Erklärung für diese besondere schwedische Nachrichtenbewertung ist, dass jetzt eine große Zahl unserer liberalen Politiker, Leitartikler und Kulturjournalisten eine Schamkappe* tragen müssen. Daher sind sie natürlich nicht bereit, die Sache zu diskutieren.

Anders war es bei der Entstehung der Geschichte. Ein Artikel im Feuilleton des Aftonbladet war es nämlich, der zu einem Schneeball wurde. Und der löste eine Lawine aus. Im September schrieb der unabhängige Journalist Donald Boström einen Artikel über den bekannten palästinensischen Verdacht, dass Palästinenser, die aus dem einen oder anderen Grund von den israelischen Streitkräften getötet wurden, danach ihrer Organe beraubt wurden, weil sie immer weggebracht, aufgeschnitten und einige Zeit später zusammengeflickt zurückgebracht wurden.

Wenn dieser Artikel nur verschwiegen worden wäre, was aus teils natürlichen Gründen das normale Schicksal von Artikeln im Feuilleton ist, wäre nichts geschehen. Und wir hätten niemals die Wahrheit erfahren. Aber dieses Mal geschah das genaue Gegenteil. Die israelische Regierung wurde von einer Reihe von Wahnsinnsausbrüchen ereilt, gespielt oder nicht, und sie forderte von der schwedischen Regierung, sie solle das Aftonbladet verurteilen. Die schwedische Botschafterin in Israel bat im Namen des schwedischen Volkes um Entschuldigung für diese verabscheuungswürdigen Schreibereien.

Das wurde eine große Sache in der Weltpresse. Und natürlich beteiligten sich daran die Liberalen. Die außenpolitische Sprecherin der Folkparti Birgitta Ohlsson warf Boström vor, der Artikel enthalte „viele antisemitischen Schablonen und Stereotypen über Juden“ – natürlich ohne den geringsten Beleg aus dem Text. Die Leitartikelseite des Sydsvenska Dagbladet (konservativ) ernannte das Aftonbladet zum „Antisemitbladet“. Die Leitartikelseite von DN (Dagens Nyheter, neoliberal) sprach davon, wie „Aftonbladet und insbesondere dessen Kulturseite eine führende Rolle bei antisemitischen Äußerungen“ spielten. Die Kulturredakteure von DN und Expressen (Pendant zur Bildzeitung) beteiligten sich natürlich an den Anklagen, wenn auch etwas abgemildert und schick drollig. Der Vorsitzende des Publicistklubs – ohne den betreffenden Text gelesen zu haben – fand Grund, sich dem Chor der Antisemitismus-Beschuldiger anzuschließen.

Die Beschuldigungen sind Standard im Arsenal der Verteidiger Israels. Sie sind heimtückisch, denn sie setzen eine Art umgekehrter Beweisführung voraus, die niemand erbringen kann, genauso wenig wie Birgitta Ohlsson beweisen kann, dass sie keine heimlichen pädophilen Neigungen hat. Aber die Voraussetzung, um die Antisemitismuskampagne dieses Mal in Gang zu setzen, war, dass das, was Donald Boström geschrieben hatte, nicht wahr wäre. Oder dass er sich antisemitisch ausgedrückt hätte.

Das konnte kein einziger Liberaler nachweisen, keine einzige Antisemitismus-Beschuldigung wurde mit einem Zitat belegt. Es blieb also nur die Frage: Wahr oder nicht wahr?

Eine Frage, die also im Dezember beantwortet wurde, als die Medien der Welt, außer den liberalen schwedischen (und allen deutschen, Anm. Übers.) die Wahrheit berichten konnten: Dass man in Israel lange Zeit alle möglichen Organe gestohlen hat, nicht nur von gerade erschossenen Palästinensern, sondern auch von verstorbenen Touristen.

[…] Ja, die israelische Arme ist nicht extra auf Jagd gegangen, um Palästinenser zu ermorden, nur um ihre Organe zu konfiszieren, heißt es. Was Donald Boström auch nie behauptet hat.

Weshalb hätte er das auch tun sollen? Israel hat lange Todeslisten, und Israel hat in den letzten Jahrzehnten Hunderte von jungen Palästinensern gemeuchelt. Das ist diese Lizenzjagd, die auf Schwedisch „außerrechtliche Hinrichtungen“ genannt wird. Auf Englisch ist der Fachausdruck „targeted killings“.

In diesem konkret einfachen, aber sehr brutalen Zustand gibt es eine Denkwürdigkeit, die mich zumindest stark berührt. Es ist schon ziemlich ekelhaft, dass Verbrecher in Israel Organe von „außerrechtlich Hingerichteten“ aus der besetzten Gesellschaft gestohlen haben. Aber das ist normales marktangepasstes privates Verbrechertum. Um so ekelhafter ist es, wenn berechtigte Kritik daran unter unseren vornehm empfindsamen Liberalen eine Woge von Antisemitismus-Beschuldigungen auslöst.

Aber keiner von ihnen stellt die stetige Zufuhr junger frischer Leichen in Frage. Als ob die Sache völlig unstrittig wäre, als ob es das selbstverständliche Recht der Besatzungsmacht Israel wäre, ein permanentes Mordkommando zu unterhalten, das missliebige Palästinenser liquidiert.

Die liberalen Dumpfbacken gehen sehr selektiv vor bei ihrem humanitären Engagement.

Aftonbladet, 17. Januar 2010. Übersetzung aus dem Schwedischen

*Jan Guillou ist Kolumnist des Aftonbladet

** Ein Schüler einer unteren Schulklasse mußte früher eine Schamkappe, eine Papiertüte aufsetzen, wenn er etwas ausgefressen hatte. Oft musste er außerdem in der Schamecke stehen. Das gab es offenbar in vielen Ländern. (Anmerkung d. Übers.)

*

2. Ian Black

Arzt gibt zu, dass israelische Pathologen Organe ohne Einwilligung entnommen haben

Israel hat zugegeben, dass Pathologen Organe von toten Palästinensern und anderen ohne Einwilligung ihrer Familien entnommen haben, – eine Praxis, von der gesagt wird, sie sei in den 1990er Jahren beendet worden. Das wurde am Wochenende bekannt.

Das Eingeständnis des früheren Chefs des forensischen Zentrums des Landes folgte einem furiosen Streit, veranlasst durch den Bericht einer schwedischen Tageszeitung, Israel habe Palästinenser getötet, um ihre Organe zu benutzen – eine Beschuldigung, die Israel bestritten und „antisemitisch“ genannt hat.

Die Enthüllung in einer Fernsehdokumentation ist geeignet, in der arabischen und muslimischen Welt Wut hervorzurufen und finstere Stereotypen von Israel und seinem Verhalten gegenüber den Palästinensern zu verstärken. Irans staatliche Press TV berichtete die Geschichte heute Abend, illustriert mit Fotos von toten oder schrecklich verletzten Palästinensern.

Ahmed Tibi, ein israelisch-arabischer Parlamentsabgeordneter, sagte, der Bericht belaste die israelische Armee.

Die Geschichte beruht auf einem Interview mit Dr. Yehuda Hiss, ehemaliger Leiter des Forensischen Instituts Abu Kabir bei Tel Aviv. Das Interview wurde im Jahr 2000 von einer amerikanischen Wissenschaftlerin geführt, die es nun wegen des Streites zwischen Israel und Schweden über einen Bericht in der Stockholmer Tageszeitung Aftonbladet veröffentlicht hat.

Channel 2 TV berichtete, dass Spezialisten vom Abu Kabir in den 1990er Jahren Haut, Hornhäute, Herzklappen und Knochen aus den Körpern von israelischen Soldaten, israelischen Bürgern, Palästinensern und ausländischen Arbeitern oft ohne Einverständnis der Verwandten entnommen hätten.

Das israelische Militär bestätigte dem Sender, dass es diese Praxis gegeben habe, fügte aber hinzu: „Diese Aktivitäten endeten vor einer Dekade und wurden nicht wieder aufgenommen.“

Hiss sagte: „Wir begannen, Hornhäute zu entnehmen … was auch immer getan wurde, war höchst inoffiziell. Nach einem Einverständnis der Familien wurde nicht gefragt.“

Jedoch gab es keine Beweise, dass Israel Palästinenser getötet hat, um deren Organe zu entnehmen, wie die schwedische Zeitung berichtet hatte. (Das hat Aftonbladet nicht behauptet, siehe Aftonbladet vom 17. August 2009, Anm. Übers.) Aftonbladet zitierte Palästinenser, die gesagt hätten, dass junge Männer von der Westbank und aus Gaza von den israelischen Truppen festgenommen und ihre Körper mit fehlenden Organen zu ihren Familien zurückgebracht worden seien. Das Interview wurde von Nancy Scheper-Hughes, Professorin für Anthropologie an der University of California, Berkeley, veröffentlicht, die eine Studie über Abu Kabir durchgeführt hatte.

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http://www.steinbergrecherche.com/09organhandel.htm#Guillou

Erdölprojekt der Weltbank mit Ölriesen ExxonMobil, Chevron und Petronas, im Tschad gescheitert


Das Bonn International Center for Conversion (BICC) hat schwere Vorwürfe gegen die Weltbank und eines ihrer Entwicklungsprojekte im Tschad erhoben. Nach Erkenntnissen der Organisation ist die Weltbank mit dem seit 2000 “als Modellprojekt unterstützten” Vorhaben “fatal gescheitert”.

Das Erdölprojekt sollte den Fortschritt in dem zentralafrikanischen Land fördern und Armut bekämpfen, bringe jedoch Elend statt Entwicklung. Durch die Förderung soll sich die Situation weiter verschlechtert haben. Statt zu profitieren, leide die betroffene Bevölkerung im Tschad unter groben Schäden.

Ölkonzerne als Nutznießer

Im Zuge des größten Infrastrukturprojekts in Subsahara-Afrika wurde eine 1.070 Kilometer lange Erdölpipeline vom Süden des Tschad bis Kamerun errichtet. Neben der Weltbank investierte ein privates Konsortium, bestehend aus den Ölriesen ExxonMobil, Chevron und Petronas, in die

“Der Erbauer bietet die Raffinerie dem Volk des Tschad” (Foto: bicc.de)

Realisierung. “Die Ölfirmen sind nun die Nutznießer des Projekts und machen dort ihre Geschäfte”, betont BICC-Researcherin Lena Guesnet. Außerdem erhalte die Regierung Geld. Die Entschädigungen für die schlechteren Lebensbedingungen an die Bevölkerung seien hingegen unzureichend und unverhältnismäßig.

Seit 2003 fließe das Öl aus dem Tschad. Die Weltbank habe sich 2008 aus dem Projekt zurückgezogen. Nach Angaben des BICC waren die Risiken und potenziell negativen wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und sozialen Folgen des Doba-Projekts aber bekannt. Dennoch habe die Weltbank das Vorhaben zum Vorzeigeprojekt erhoben und sei von den positiven Effekten des Erdöl-Investments überzeugt gewesen. Die Signalwirkung an die Industrie sei fatal gewesen. Insgesamt pumpte die Weltbankgruppe knapp 300 Mio. Dollar in das Projekt.

Öl finanziert Gewaltkonflikte

“Der Erfolg des Doba-Projekts wird vielmehr an der Reduzierung der Armut gemessen werden als an den Barrel von gefördertem Öl oder den Millionen von Dollar aus Ölexporten aus dem Tschad”, hieß es 2000 von der Weltbank. BICC zufolge werden die Einnahmen aus der Förderung aber nur unzureichend in Entwicklungssektoren wie Gesundheit oder Bildung investiert. Die in der Region lebende Bevölkerung leide zudem unter produktionsbedingten Umweltschäden. Außerdem analysiert BICC, wie die Öleinnahmen Konfliktpotenziale rund um die Förderstätten beeinflussen und wie sie Gewaltkonflikte direkt finanzieren.

Ökonomische und ökologische Belastungen

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http://www.schweizmagazin.ch/2010/03/01/erdolprojekt-der-weltbank-im-tschad-gescheitert/

Millionen Bußgelder gegen Kroatische Baufirmen wegen Bauschrott

Croatia Firms Charged in 2007 Street Collapse

Zagreb | 04 March 2010

Zagreb

Zagreb

The Zagreb county court has pressed charges against three construction companies and nine of their managers for imperiling human lives and causing 17 million kunas (€2.34 million) of damage in the case of a collapsed street in Croatia’s capital.


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